Warum wir aktuell auf Kundgebungen verzichten – und warum Protest trotzdem weiter nötig ist

2020 neigt sich langsam dem Ende zu und wir können auf ein turbulentes Jahr zurückblicken. Allein zum Thema „Verschwörungsmythen“ haben wir als Initiative gegen Rechts knapp 20 Kundgebungen organisiert. Die waren auch bitter nötig. Seit Beginn der Corona-Pandemie fanden in Regensburg immer wieder Kundgebungen gegen eine angebliche „Corona-Diktatur“ statt. Verschwörungsideologien und andere menschenfeindliche Einstellungen breiteten sich immer stärker aus. Als Initiative gegen Rechts war für uns schnell klar: Wir treten Verschwörungsmythen, NS-Verharmlosung und Sozialdarwinismus konsequent entgegen und fordern: Solidarität statt Hetze!

Doch auch zum Jahresende werden die angeblichen „Corona-Rebellen“ nicht ruhiger. Trotz der massiv steigenden Corona-Fallzahlen und dem gesteigerten Infektionsrisiko mobilisieren sie zu Kundgebungen. Dabei ignorieren sie Hygiene- und Abstandsregeln und umgehen die Maskenpflicht. Allein diese Woche sind mehrere Veranstaltungen aus dem verschwörungsideologischen Milieu in Regensburg angekündigt.

Am Dienstag soll die sogenannte „Frauenbus-Tour“ einen Stop in Regensburg machen. Nach dem Vorbild der „Corona-Infotour“ mit Samuel Eckert und Bodo Schiffmann, die im September in Regensburg hielt und einige Fans anzog, fahren diesmal in der Szene aktive Frauen von Stadt zu Stadt, um ihre Verschwörungsideologien rund um das Coronavirus zu verbreiten. Nach Halten in anderen Städten gab es Berichte über Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen sowie über Diffamierungen, Lügen und Hetze – wie immer gleichzeitig mit Floskeln über Liebe, Frieden und Menschlichkeit. An Bord der Superspreader-Tour befindet sich beispielsweise Eva Rosen, die im Interview mit dem extrem rechten Medium Compact von der „Gleichschaltung der Medien“ und einer „Zensur“ schwadroniert. Oder Miriam Hope, die allerlei Geraune über manipulierte Corona-Tests verbreitet und ansonsten gerne Interviews mit „patriotischen Gästen“ wie Mario Buchner und Thorsten Schulte führt.

Am Sonntag soll in Regensburg zudem, wie schon im November, ein sogenannter „Schweigemarsch“ von“Querdenken“ stattfinden. Sollte die Demonstration stattfinden (können), ist mit der üblichen Mischung aus Anhänger:innen von Verschwörungsideologien und Impfgegner:innen zu rechnen, die an diesem Tag durch die Stadt ziehen. Ungebrochen verbreiten die „Querdenker“ auf Telegram Artikel rechter Medien und andere unseriöse (Internet-)Quellen. Sie stoßen dabei bei extremen Rechten, sich „friedlich“ gebenden Esoteriker:innen sowie vermeintlich „bürgerlichen“ Akteur:innen auf große Zustimmung.

Hohe Infektionszahlen sind seit Monaten Normalität. Die Anhänger:innen der Verschwörungsmythen haben auch bei deutlich höheren Inzidenzwerten in Regensburg protestiert – und wir gegen sie. Trotzdem möchten wir in der aktuellen Situation die Lage neu bewerten. In den kommenden Wochen werdenMenschen aus unterschiedlichen Lebensrealitäten gemeinsam Zeit verbringen. Eine rasante Verbreitungdes Virus wird dadurch wahrscheinlicher. Diese wäre für uns alle fatal. Vor diesem Hintergrund halten wir einen Fokus auf digitalen Protest für verantwortungsvoll und vertretbar. Wie bereits beim letzen Schweigemarsch rufen wir deshalb unter dem Motto #mitdenken auf, dem Wahnsinn zu widersprechen. Bleibt gesund!

#stayhome #staysafe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.